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FUKS • FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES E. V.
Ergänzende Beiträge
05./06.10.2001, FH Amberg-Weiden

Argyll & Bute ist der schottische Partnerlandkreis des Landkreises Amberg-Sulzbach
(siehe auch das Interview mit Adrian Shaw in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung)
 
Erneuerbare Energie in Argyll & Bute

Adrian Shaw

 

Referat für das Symposium über Nachhaltige Energien

Adrian Shaw (2. von rechts) im Gespräch mit Manfred Lehner, Leiter der VHS Amberg-Sulzbach (links) und damaligem Stellvertretendem Landrat Willi Morgenschweis, Übersetzerin

Adrian Shaw ist Sachgebietsleiter für Umwelt und Energie im Amberg-Sulzbacher Partnerlandkreis "Argyll and Bute". Der Schotte koordiniert im Rahmen eines Projektauftrages der EU auch die Zusammenarbeit mit den baltischen Ländern auf dem Gebiet der regenerativen Energie. In dieser Eigenschaft war er Teilnehmer des Weltklimagipfels in Den Haag.

 

Argyll & Bute gilt als die Region mit der saubersten Umwelt Großbritanniens. Der Landstrich verfügt nicht nur über eine reichhaltige Artenvielfalt (gemeint sind damit die Vielfalt der Arten und der Lebensräume), äußerst reizvolle Landschaften, lange Küstenabstriche und wertvolle Meeresschätze, sondern auch über eine Vielzahl von nachhaltigen Energie-Ressourcen.

Das folgende Referat gibt einen Überblick über das Potenzial für erneuerbare Energien in dieser Region. Ferner sollen einige Projekte, die bereits in Gang sind, vorgestellt werden:
Wasserkraft
In Argyll und Bute wird an mehreren Stellen Strom aus Wasserkraftwerken erzeugt. Vor allem zwischen 1950 und 1960 hat die zuständige Schottische Behörde erhebliche Investitionen in Wasserkraftwerke getätigt; mehrere kleinere Wasserkraftwerke sind in Privatbesitz.
Besonders das Speicher-Wasserkraftwerk auf dem Berg "Ben Cruachan" ist von großer Bedeutung: überschüssiger Strom aus dem nationalen Netz wird billig gekauft, um die Turbinen zu betreiben und um das Wasser aus dem See "Loch Awe" durch einen Unterwassertunnel in ein 400 Meter hoch gelegenes
Staubecken zu pumpen. Bei hohem Strombedarf wird das Wasser zu einem Kraftwerk im Inneren des Berges herabgelassen. Eine große Menge Strom kann so sicher und umweltfreundlich gespeichert werden, um den Bedarf in Spitzenzeiten decken zu können.

Windkraft
Schottland ist eines der windreichsten Länder Europas und hat damit ein hervorragendes Potenzial für Windkraftwerke. Im Moment allerdings liegt Schottland bei der Nutzung dieser Energiequelle noch hinter anderen Ländern, zum Beispiel Dänemark, zurück. Soll die Windkraft noch effektiver genutzt werden, müssen einige wichtige Aspekte dabei berücksichtigt werden:
- Die windreichsten Lagen befinden sich meistens auf den Berggipfeln oder auf Inseln - also weit ab von den Gebieten, in denen die Nachfrage am größten ist. Um jedoch den Strom vom Windpark zum Kunden transportieren zu können, muss ein entsprechendes Stromnetz aufgebaut werden.

- Viele dieser windreichen Gegenden sind zugleich ökologisch besonders wertvolle oder sensible Schutzgebiete. Deshalb muss bei der Errichtung solcher Windanlagen äußerst behutsam vorgegangen
werden.
- Windparks genießen häufig keine große Beliebtheit; die Errichtung entsprechender Anlagen wird deshalb
von ihren Gegnern vor Ort oftmals kritisch beäugt.
Der Argyll und Bute Council muss sich diesen Herausforderungen stellen, um die Windenergie auf eine umweltverträgliche Weise weiterentwickeln zu können.Die jüngste Ankündigung, dass die Firma Vestas - einer der größten Hersteller von Windturbinen - eine neue Fabrik in Campbeltown (Mull of Kintyre) errichten will, gab Argyll & Bute einen immensen Auftrieb. Windturbinen werden nämlich dann vor Ort gefertigt und auf dem Seeweg nach ganz Großbritannien und nach Europa transportiert.

Wellenkraft
Der erste Wellengenerator Großbritanniens befindet sich auf der Insel "Islay". Damit wurde bewiesen, dass diese neuartige, umkehrbare Turbine mit wenig Aufwand in der Lage ist, auch im rauhen Atlantik-Klima Strom zu erzeugen. Diese neue Technologie bietet gute Chancen für die Stromerzeugung an Küstenlagen.

Biomasse
Der Distrikt Argyll ist - mit jährlich 500.000 Tonnen - für die kommerzielle Holzproduktion Großbritanniens von großer Bedeutung. Die Tendenz ist steigend. Kleines Rundholz und Abfalläste, die nach der Holzernte übrig bleiben, können als Brennmaterial verwenden werden, um Strom zu erzeugen. Momentan wird darüber nachgedacht, wie dieses Material für örtliche Heizsysteme oder für die Stromerzeugung verwendet werden kann, und in Barcaldine (in der Nähe von Oban) ist sogar ein kleines Biomasse-Kraftwerk geplant.


ALIENERGY: Die Energie Behörde von Argyll, Lomond und der vorgelagerten Inseln
Der Kreisrat hat, zusammen mit seinen Partnern, eine neue Energie-Behörde ins Leben gerufen. Sie soll es ermöglichen, dass nachhaltige Energie und Energiequellen in Argyll & Bute besser genutzt werden können.

Themen und Herausforderungen
Bis jetzt ist das Potenzial nachhaltige Energiequellen in Argyll & Bute noch nicht vollkommen ausgenutzt worden. Schottland hat sich immer mehr auf Nuklearstrom oder Kohlekraftwerke verlassen und hat dabei
seine nachhaltige Energiequellen größtenteils übersehen. Zunehmende Sorge um die Umwelt, vor allem in Hinsicht auf die globale Erwärmung, hat inzwischen dazu geführt, dass man der nachhaltigen Energie
größeres Interesse beimisst. Sowohl die Regierung Großbritanniens als auch die Schottische Exekutive unterstützen die Entwicklung erneuerbarer Energie. Durch neue Technologien, die jetzt entwickelt werden, kann man sowohl größere Windturbinen als auch Wellengeneratoren konstruieren, die nachhaltige Quellen sinnvoller und attraktiver machen.
Die Ungewissheit über die Zukunft der Atomindustrie ist ein Hauptfaktor. Zur Zeit werden 40% Strom in Schottland in Atomkraftwerken erzeugt. Die Atomindustrie argumentiert, dass Atomstrom nicht zur globalen Erwärmung beiträgt und weiter entwickelt werden soll, um die Abhängigkeit von fossil-beheizten Kraftwerken zu verringern. Es ist noch nicht sicher, welcher Richtung die Regierung folgen wird, aber diese Entscheidung ist von höchster Bedeutung für die zukünftige Entwicklung nachhaltiger Energien.

Schluss
Die Entwicklung erneuerbarer Energien in Schottland hat enormes unerfülltes Potenzial. Argyll und Bute
besitzt eine der reichsten Energiequellen, aber aus historischen Gründen ist sie nicht entwickelt worden. Es ist aber wahrscheinlich, dass in den nächsten Jahren eine bedeutende Entwicklung dieser Quellen stattfinden wird.
Es ist uns bewusst, dass wir ein gemeinsames Interesse mit dem Landkreis Amberg-Sulzbach teilen, diese nachhaltige Energien zu entwickeln. Wir würden gern mehr über Ihre Erfahrung zu diesem Thema hören und dabei unsere bestehende Verbindungen weiter ausbauen, um erneuerbare Energie in beiden Ländern zu forcieren.