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FUKS • FORUM FÜR UMWELT, KULTUR UND SOZIALES E. V.
Fachvorträge
06.10.2001, FH Amberg-Weiden

Potenziale nachhaltiger Energie in unserer Region

 

Prof. Dr.-Ing. Franz Bischof
Fachhochschule Amberg-Weiden

 

 

Mit einer Bevölkerungsdichte von gerade einmal
86 Einwohnern pro Quadratkilometer weist der Landkreis Amberg-Sulzbach ein enormes Potenzial gegenüber anderen Regionen in Bayern und in Deutschland auf. Im Vergleich dazu betragen die Zahlen für Bayern 171 Einwohner pro Quadratkilometer und für Deutschland 230 Einwohner pro Quadratkilometer. Vergleichbar, wenn auch um 13 Prozent geringfügig höher, sind die Zahlen für den Landkreis Schwandorf mit 97 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Für eine maximale Potenzialabschätzung einer ländlichen Region an eigener Energiebereitstellung wird bei den einzelnen Berechnungen daher der Landkreis Amberg-Sulzbach betrachtet.


Prof. Dr.-Ing. Franz Bischof, Jahrgang 1961, in Ursensollen geboren, studierte nach dem Abitur
an der Universität Erlangen-Nürnberg Chemieingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Verfahrenstechnik. Nach seiner Promotion auf dem Gebiet von "Stoffaustauschphänomenen bei biotechnischen Systemen" leitete er von 1994 bis 2000 den Bereich Umweltverfahrenstechnik am ATZ-EVUS in Sulzbach-Rosenberg. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Entwicklung neuer Verfahren zur energetischen Nutzung organischer Abfälle und industriellen Abwassers. 2000 erfolgte die Berufung als Professor an die Fachhochschule Amberg-Weiden für das Fachgebiet "Verfahren der Wasser-, Luft- und Bodenreinhaltung".
Er gibt unter anderem die Spezialvorlesung "Bedeutung und Verfahren der Biogastechnik".

 

Ausgehend von dem z. Zt. jährlichen Energieverbrauch im Landkreis Amberg-Sulzbach und einer Aufteilung nach verarbeitendem Gewerbe, Verkehr und Privathaushalte wird deutlich, dass enorme Anstrengungen unternommen werden müssen, um den hohen Bedarf in Zukunft zu decken. Als Gesamtwert ergibt sich der jährliche Verbrauch pro Einwohner von 140,8 Gigajoule (Bundesdurchschnitt: 177 GJ/EW), wobei jedoch industrielles Kleingewerbe, Handel und Dienstleistung auf Grund fehlender Datenmenge nicht eingerechnet sind.


Deutlich erkennbar ist der enorme Energiebedarf beim Verkehr, wobei insbesondere die ca. 64.000 im Landkreis Amberg-Sulzbach gemeldeten Benzin-Pkws mit 21% einen erheblichen Anteil am gesamten Energieverbrauch im Landkreis ausmachen. Ebenso deutlich fällt der hohe Energieverbrauch für die Bereitstellung von Wärme in den Privathaushalten sowie die damit verbundene Versorgung mit Warmwasser auf. Mit 6% beteiligen sich die Diesel-PKW am Energieverbrauch.

 

In den beiden Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf kann mit dem Anbau von nachwachsenden Rohstoffen wie Raps, zur Gewinnung von Pflanzenöl für den Betrieb von Pkws, der thermischen Nutzung von Holz zur Gewinnung von Wärme und Strom sowie dem Einsatz organischer Abfälle bzw. nachwachsender Rohstoffe, zum Beispiel den Anbau von Mais zur Gewinnung von Biogas ein erheblicher Beitrag geleistet werden, um Energie aus der Region für den Bedarf in der Region bereitzustellen. Dabei stellen sich die für derartige Betrachtung notwendigen Zahlen für die beiden Landkreise wie folgt gegenüber:

 
Amberg-Sulzbach
Schwandorf
Gebietsfläche
ha
126 377
147 288
Einwohner
108 368
143 000
Waldfläche
ha
65 079
62 985
Landwirtschaftsfläche
ha
53 693
58 750
Ackerland
ha
36 064
41 850
Dauergrünland
ha
16 131
16 900
Getreide
ha
21 656
22 877
Mais
ha
5 544
6 800
Ölfrüchte
ha
4 378
2 600
Stillegung
ha
2 765
2 344

Unter Zugrundelegung einer 20-prozentigen Nutzung des in einem Jahr nachwachsenden Holzbestandes und der Hinzuziehung des normalerweise anfallenden Sägeholz-Restschnitts, einer ca. 9000 Hektar langfristig maximal zur Verfügung stehenden Fläche für Rapsanbau, sowie einer 50-prozentigen Verwendung des Rapskuchens für die Biogasgewinnung, einer 50-prozentigen Verwendung des im Landkreis anfallenden Bioabfalls für Biogasgewinnung, sowie einen Anbau von Energiemais auf ca. 5000 Hektar zur Biogasgewinnung, ergibt sich das nachfolgend dargestellte Primärenergie-Potenzial des Landkreises Amberg-Sulzbachs.


Deutlich ist erkennbar, dass Biomasse aus Holz in unserer Region ein überdurchschnittliches Potenzial gegenüber anderen Energieträgern darstellt.

Nachfolgende Abbildung zeigt den Energieverbrauch der im Landkreis gemeldeten landwirtschaftlichen Fahrzeuge, der dieselbetriebenen LKWs und Busse sowie dieselbetriebenen Pkws. Dem gegenübergestellt ist jeweils die Primärenergie von Rapsöl, die unter Zugrundelegung vorstehend genannter Daten jährlich im Landkreis Amberg-Sulzbach geerntet werden könnte. Wie zu erkennen ist, besteht das realistische Potenzial, den Betrieb landwirtschaftlicher Fahrzeuge vollständig mit Energie aus der Region abzudecken; ökologisch geschlossene Kreisläufe könnten damit realisiert werden. Ernüchternd fällt der Blick bei Betrachtung des Energieverbrauchs von Diesel-Pkws aus: gerade einmal ein Drittel steht als Potenzial zur Verfügung, um den fossilen Energieträger Diesel gegen Pflanzenöl zu ersetzen. Allerdings ist dies immer noch ein enormer Anteil in Bezug auf die Planungen der Politik, den Energiebedarf von Dieselfahrzeugen langfristig mit 5-7% aus nachwachsenden Rohstoffen abdecken zu wollen.


Nachfolgend zusammengefasst dargestellt ist das Energiepotenzial des Landkreises Amberg Sulzbach im Vergleich zum Energiebedarf der Privathaushalte einschließlich des Verkehrs sowie im Vergleich zum Energiebedarf einschließlich verarbeitendes Gewerbe. Entsprechend der Datenlage und durchgeführten Berechnungen kann festgestellt werden, dass mit ca. 20 Prozent, bezogen auf den privaten Energiebedarf, gerechnet werden kann, was die Region bereitstellen könnte. Dabei liegt es an den Rahmenbedingungen, welche die Politik vorgibt sowie den technischen Möglichkeiten der einzelnen Verfahren, ein Maximum dieses in der Region vorliegenden Energiepotenzials auszuschöpfen.

 
Im Verlauf des Vortrags wurde weiterhin das theoretische Potenzial untersucht, das gegeben wäre, wenn der gesamte Holzzuwachs sowie die gesamte mit Raps bepflanzte Ackerfläche für die Deckung der Energie im Landkreis herangezogen werden würde. Obwohl unrealistisch, lieferte diese Betrachtung das Maximalpotenzial, das unter keinen Umständen überschritten werden kann. Ebenfalls wurde in einem Szenario bewertet, wie sich
die Situation in der Region und für die Region darstellt, wenn die Privathaushalte den Verbrauch von Energie reduzieren sowie solare Energien zur Deckung ihres Verbrauchs miteinbeziehen.
Die Ergebnisse zeigen, dass diese ländliche Region ein überdurchschnittliches Potenzial zur Bereitstellung von Energie aufweist, das spez. für die Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf bereits jetzt über die Ziele der Politik hinaus geht.